»Artist in Residence«

Valerie Wolf Gang: Erste Stipendiatin des »Artist in Residence« Programms auf der Rosenhöhe im Atelierhaus Ludwig-Engel-Weg 1 (LEW1) in Darmstadt

Anlässlich der »11. Darmstädter Tage der Fotografie« gibt es erstmals eine dreimonatige Künstlerresidenz von Mitte Februar bis Mitte Mai 2020 im Atelierhaus LEW1 auf der Rosenhöhe in Darmstadt geben. Im Dezember 2019 wählte eine Jury aus insgesamt 66 internationalen Bewerberinnen im Rahmen eines Open Calls die slowenische Multimedia-Künstlerin Valerie Wolf Gang als erste Stipendiatin des neu etablierten »Artist in Residence« Programms aus.

 

Hintergründe des »Artist in Residence« Programms – Open Call, Bewerbungsvoraussetzungen und Juryentscheidung

Das Atelierhaus Ludwig-Engel-Weg 1 (LEW1) im Park Rosenhöhe, Darmstadt, ist Teil der in den 1960er Jahren von der Stadt Darmstadt errichteten sogenannten »Neuen Künstlerkolonie«. Von 1965 bis 1967 wurden insgesamt sieben Atelier- und Wohnhäuser errichtet. Dort wohnten und wohnen traditionell Künstler*innen. Das erste dieser Atelierhäuser, das LEW1, steht seit Sommer 2019 als kulturelle Spielstätte zur Verfügung.

Ganz im Sinne des diesjährigen Themas der »11. Darmstädter Tage der Fotografie« „Skurrile Fluchten – Humor in der Fotografie“ soll die Residenz eine Flucht aus dem Alltag ermöglichen und die Vollendung beziehungsweise Entwicklung eines Kunstprojekts zum Ziel haben.
Die Ergebnisse des Residenzaufenthalts werden im Atelierhaus LEW1 während des Festivals ausgestellt.

Neben der Vorstellung eines konkreten Projektvorhabens, einer Biografie und einem Portfolio war ein Statement darüber, warum die Künstlerin oder der Künstler die Möglichkeit zur „Flucht aus dem Alltag“ in Form der Künstlerresidenz verdient habe, ein weiteres Auswahlkriterium für die Nominierung.

Nach Sichtung von insgesamt 66 Bewerbungen aus aller Welt entschied sich die Jury für Valerie Wolf Gang als Gewinnerin des »Artist in Residence« Programms. Die Jurymitglieder waren Lukas Einsele (Vorstand des Vereins »Kultur einer Digitalstadt«), Alexandra Lechner (Fotografin/ Gründungsmitglied der »Darmstädter Tage der Fotografie«/ RAY-Kuratorin), Julia Reichelt (Leiterin des Kunstforum der TU Darmstadt) und Gregor Schuster (Fotograf / Gründungsmitglied der »Darmstädter Tage der Fotografie«).

Valerie Wolf Gang

Portrai Valrie Wolf Gang © Miha Godec

Valerie Wolf Gang, M.A. (geb. 1990 in Ljubljana) ist eine slowenische Multimedia-Künstlerin. In ihren Arbeiten konzentriert sie sich auf die Ideen, die hinter menschlichen Erfahrungen stehen, wie z.B. Aspekte des Bewusstseins und die Reflexion sozialer Konflikte, die sich aus politischen Regelungen und Zwängen ergeben. Wolf Gang erforscht vor allem die Beziehung zwischen Mensch und Technik und ist inspiriert von der Verbindung zwischen lebendiger und unbelebter Natur sowie der Vielschichtigkeit des menschlichen Charakters.
Die Künstlerin nimmt regelmäßig an verschiedenen internationalen »Artist in Residence« Programmen teil, im Rahmen derer sie – von der jeweiligen lokalen und internationalen Kulturszene inspiriert – neue Projekte entwickelt.

Wolf Gangs Arbeiten wurden in großen Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland (Peking, New York, Wien, Podgorica, Lissabon, Luxemburg usw.) gezeigt. Sie erhielt zahlreiche internationale Stipendien und Auszeichnungen und ist Mitglied des internationalen Kunstkollektivs »Spielraum Ensamble«, der Forschungseinheit »Famul VideoLab« sowie der slowenischen Regisseurinnengilde und arbeitet oft an verschiedenen internationalen und EU-geförderten Projekten im Kulturbereich mit.

Wolf Gang ist die Gründerin der Firma »UV Arthouse«, welche Experimentalfilme und Videoinstallationen produziert und im Bereich der neuen Medientechnologie und interaktiven Multimedia-Werke forscht. Neben ihrer künstlerischen Praxis und Forschung hält die Künstlerin in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und Universitäten auch Vorträge über Videokunst und Filmerziehung. Sie ist Doktorandin an der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste auf dem Gebiet der Augmented Reality. Seit 2018 ist Wolf Gang professionelle Mitarbeiterin am Institut für Bildende Kunst Wien, das mit der Akademie der
bildenden Künste Wien zusammenarbeitet.

Valerie Wolf Gang (*1990) – Die erste Stipendiatin des neu etablierten »Artist in Residence« Programms auf der Rosenhöhe in Darmstadt; Foto: © Miha Godec

Valerie Wolf Gangs Projektvorhaben im Rahmen des »Artist in Residence» Programms von Februar bis Mai 2020 trägt den Namen »VANISHING ACT: Körper, Raum, Identität«. Inspiration hierfür fand die Künstlerin in verschiedenen Studien über die psychologischen Erfahrungen von Astronauten im Weltraum als Reaktion auf den Blick auf die Erde als Ganzes.

Während der Ära der berühmten Apollo-Missionen der NASA reisten über ein Dutzend Astronauten zum Mond. Viele von ihnen sprachen von einer radikal transformierenden Erfahrung, die zustande kommt, wenn man die Erde zum ersten Mal aus einer neuen Perspektive sehen kann. Plötzlich erscheint sie so zerbrechlich, nicht viel mehr als eine kleine blaue Kugel, die von der unendlichen Weite des Weltraums umgeben ist.

Die Künstlerin Valerie Wolf Gang studierte diese Erfahrungen und verglich sie mit einem ihr eigenes Leben stark veränderndes Ereignis: innerhalb des letzten Jahres transformierte sich ihr Körper vollständig, da sie mehr als 50 kg verlor. Plötzlich erkannte sie ihren eigenen Körper nicht mehr wieder und musste aufs Neue lernen, ihn zu benutzen, eine neue (visuelle) Identität zu konstruieren.
Wolf Gang vergleicht diese Erfahrung mit einem vollständigen Verschwinden ihrer selbst, einem Gefühl von Fremdheit gegenüber ihrem eigenen Körper, die auch den physischen Zustand des Geistes beeinflusst. In ähnlicher Weise sprach der Astronaut Edgar Mitchell im Rahmen der Apollo-14-Mission von einem zutiefst mystischen Moment, als er seinen Heimatplaneten vom Raumschiff aus betrachtete.

In diesem Zustand sind die Konzepte von Zeit und Raum völlig unterschiedlich. Für eine Minute, eine Stunde oder länger befindet sich eine Person, die diesen Zustand erreicht, in einer anderen Welt.

Informationen zum Kooperationspartner »Kultur einer Digitalstadt e.V.«

Der seit Januar 2019 bestehende Verein »Kultur einer Digitalstadt« versteht sich als interdisziplinäre Plattform zur Beobachtung, Untersuchung, Sichtbarmachung, Vernetzung und Weiterentwicklung unterschiedlicher Aspekte der Digitalität aus künstlerischer und kultureller Perspektive. Der Verein »Kultur einer Digitalstadt« hat seinen Sitz im Atelierhaus Ludwig-Engel-Weg 1 (LEW1) im Park Rosenhöhe in Darmstadt.

Das Atelierhaus ist durch seine Geschichte als Teil der Neuen Künstlerkolonie, seine Architektur und nicht zuletzt durch die räumliche und inhaltliche Nähe zur Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe – einem wesentlichen Wegbereiter der Moderne – ein idealer Ausgangsort für diverse Vorhaben und Veranstaltungen.
Für das laufende Jahr 2020 sind bislang acht bis zehn Veranstaltungen geplant:
Über die Künstlerresidenz hinaus sind dies Vorträge, Ausstellungen, Symposien, Performances oder Workshops. Form, Dauer, Anzahl der Beteiligten und das Maß an Öffentlichkeit ist bei den Veranstaltungen sehr unterschiedlich angelegt, wodurch sie die Vielfalt der dahinter stehenden kulturellen Akteure und ihrer Positionen repräsentieren.

Mehr Informationen: www.kultur-digitalstadt.de