Herrngarten

»High Noon«

Christian Retschlag

Kuratiert von Albrecht Haag & Stephanie Stadler, M.A. (Festivalteam DTdF)

Was erzählt ein Bild? Wie viele Geschichten stecken in einer Fotografie? Christian Retschlag interessiert sich für das erzählerische Potential des fotografischen Einzelbildes. In seinen sorgfältig komponierten, häufig lang geplanten Bildern schafft er fiktive Momente, die ein Vorher und Nachher dazudenken lassen. Seine statischen Bilder erhalten ihre Spannung durch die Möglichkeit, dass etwas passieren könnte. Dabei greift der Künstler auf Vorbilder aus der Kunst- und Filmgeschichte und unser Bildergedächtnis zurück, beschwört so Erinnerungen herauf und lädt ein, Geschichten zu spinnen.

Es überrascht nicht, dass in Retschlags Werk auch einige wenige Filme zu finden sind. Die Arbeit »Westernheld II (High Noon)« etwa ruft Erinnerungen an Italowestern der 1960 Jahre wach. In seiner statischen Erzählweise scheint er der Fotografie näher als dem Film. Denn anders als der Titel erhoffen lässt, zeigt der Film eben kein Duell zweier Kontrahenten zur Mittagszeit. Stattdessen zieht ein Cowboy unermüdlich seinen Revolver, ohne ihn abzufeuern. Der Film zeigt einen (endlos wiederholten) Moment, der im Westernfilm keinen Platz hat: Einen Cowboy, der übt. 

Es ist diese unspektakuläre, aber sehr präzise formulierte Bilderwelt, die für Christian Retschlags Arbeit kennzeichnend ist. Dies gilt für seine erzählerischen Arbeiten, in denen Personen stoisch eigentümliche Handlungen vollziehen. Das gilt aber auch für die Fotografien von alltäglichen Dingen, die durch eine haltende Hand oder einen kleinen Eingriff, zu Objekten der Bewunderung werden. Es sind poetische, manchmal humorvolle Bilder, die ihre Referenz aus dem Wirklichen ziehen und dann zum Möglichen verschieben.

Luftballonverkäufer, aus der Serie High Noon © Christian Retschlag

Termine und Öffnungszeiten der Ausstellung

Ausstellungsdauer:

23. Oktober bis 1. November 2020

Öffnungszeiten: 

24 / 7