Simone Klein

Sena Çakırkaya

Frank Schinski

Katrin Koenning

Fabian Knierim

Urs Stahel

Das Jahresthema wird traditionell auch immer im Rahmen eines Symposiums diskutiert. Am Samstag, den 21. April, von 10–18 Uhr werden internationale Fotografieexperten, renommierte Kuratoren und betetiligte Künstler ihre Perspektiven und Strategien fotografischen Handelns vorstellen.

Wir freuen uns mit Urs Stahel (Zürich, Kurator), Sena Çakırkaya (Istanbul/Frankfurt, Kuratorin), Fabian Knierim (Wien, Kurator), Simone Klein (Köln, Photographie-Expertin und Art Advisor), Frank Schinski (Hannover, Fotograf) und Katrin Koenning (Melbourne, Künstlerin) ein vielseitiges Vortragsprogramm bieten zu können.

Das Symposium wird von der Deutsche Börse Photography Foundation → gefördert. Es findet in Kooperation mit dem Fachbereich Gestaltung der h_da Hochschule Darmstadt statt.

Eintritt

15 Euro, ermäßigt 10 Euro
Ticketvorverkauf über ztix.de →

Ort

Aula des Fachbereichs Gestaltung, h_da Hochschule Darmstadt

Ablauf

10:15 Uhr
Begrüßung und Einführung: Prof. Dr. Kai Buchholz, Professor für Geschichte und Theorie der Gestaltung an der h_da Hochschule Darmstadt

10:30 Uhr
Simone Klein: Das Bild als Objekt der Begierde. Fotografie und Kunsthandel

11:20 Uhr
Sena Çakırkaya: Taktik versus Strategie. Fotografie in der Türkei
(Vortrag auf Englisch)

14:00 Uhr
Katrin Koenning: Über die Grenzenlosigkeit der Fotografie

14:50 Uhr
Frank Schinski: „Ist doch so“. Fotografische Antworten auf alltägliche Fragen

16:15 Uhr
Fabian Knierim: Like it share it tag it flag it

17:00 Uhr
Urs Stahel: Vom Krieg der Körper zum Reich der Zeichen. Ein Stakkato fotografischen Handelns von 1950 bis heute

Das Symposium wird gefördert von der Deutsche Börse Photography Foundation und findet in Kooperation mit dem Fachbereich Gestaltung der h_da, Hochschule Darmstadt statt.

Logo Deutsche Börse Photography Foundation
Logo h_da

Vorschau
Die Referenten und ihre Themen

Simone Klein
Das Bild als Objekt der Begierde – Fotografie und Kunsthandel

Die Fotografie hat sich besonders seit der Jahrtausendwende zum oftmals sehr hochpreisigen Sammelgebiet entwickelt. Prominente Privatsammlungen (Elton John, Thomas Walther) und Firmen- sowie Museumssammlungen (Deutsche Börse, Städel) zeugen von der Bedeutung und Popularität der Fotografie als Sammelgebiet. Regelmäßig werden auf internationalen Auktionen spektakuläre Zuschläge für Fotografien erzielt. Wie kommt es, dass in diesem gigantischen Angebot einige Fotografien zu Ikonen werden? Wie funktioniert das Handeln mit Fotografien? Welche Kriterien sollte ein Sammler beachten? Wie kann man diesem Markt denn vertrauen? Der Vortrag beleuchtet sowohl den Primärmarkt (Galerien) sowie den Sekundärmarkt (Auktionen), gibt Einblicke in die Geschichte und Entwicklung dieses Spezialmarktes und erläutert aktuelle Verkaufs- und Marketingstrategien wie die „Square Print Sales“ von Magnum oder die Editionen der Firma Yellow Korner.

Simone Klein (*1967) war von 1997 bis 2006 Leiterin der Abteilung Fotografie am Kunsthaus Lempertz in Köln. Danach zeigte sie sich als Direktorin des Photography Department bei Sotheby’s Europa verantwortlich für Auktionen in Paris und London; ihre Expertise hat den Schwerpunkt Europäische Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts. Von 2015 bis 2017 war Simone Klein internationale Direktorin der Abteilung Print Sales bei Magnum Photos. Seit 2018 ist sie selbständige Gutachterin für Fotografie und Art Advisor mit Sitz in Köln.

Sena Çakırkaya
Taktik versus Strategie. Fotografie in der Türkei

Die Kuratorin Sena Çakırkaya gibt einen Einblick in den derzeitigen Status von Fotografie in der türkischen Kunstszene. Sie beleuchtet zum einen die Situation in staatlichen Institutionen, aber auch die Strategien von kommerziellen Galerien und alternativen Initiativen, um Fotografie öffentlich zu präsentieren und ihr Publikum ohne die Hilfe großer Institutionen direkt zu finden. Zum anderen stellt sie einige Künstlerinnen und Künstler vor, die in ihren Werken unterschiedliche Strategien im Umgang mit Konflikten finden. Ihr Vortrag resümiert, wie die derzeitige Kunstszene in der Türkei gegenüber den Machtstrategien immer neue Überlebenstaktiken findet.

Sena Çakırkaya (*1984 in Istanbul, Türkei) war bis 2016 Abteilungsleiterin für Fotografie am Istanbul Museum für Moderne Kunst und verantwortete dort mehrere Ausstellungen zur zeitgenössischen Fotografie, u.a. „Habitat“ – eine Ausstellung über menschliche Lebensräume mit Arbeiten türkischer Künstler. Die Kuratorin lebt derzeit in Frankfurt am Main und Istanbul.

Frank Schinski
„Ist doch so“. Fotografische Antworten auf alltägliche Fragen

Frank Schinski erläutert am Beispiel seiner Serie „Ist doch so“ seine fotografischen Strategien und das Interesse an den Lebens- und Arbeitssituationen von Menschen in unserer Gesellschaft. Seine Fotografien sind allein durch den Alltag und die sich darin befindenden Menschen inszeniert. Während er im Auftrag renommierter Zeitungen und Zeitschriften wie Die ZEIT unterwegs ist, fotografiert er immer wieder abseits der gestellten Themen Bilder, die zwar nebenbei, aber nicht nebensächlich sind. Schinski sieht sich dabei stets als Fotograf und nicht als Künstler. Er bleibt seiner Haltung treu und findet immer wieder Bilder, die sich vom eigentlichen Auftrag emanzipieren.

Aufgewachsen in der DDR, in der Nähe der polnischen Grenze, eröffnete ihm die dörfliche Umgebung keine großen beruflichen Alternativen und so begann er kurz nach dem Mauerfall eine Ausbildung auf dem Bau. Der Kauf der ersten Kamera Ende der 1990er-Jahre weckte in ihm das Interesse, sich mit den Möglichkeiten der Fotografie auseinanderzusetzen. Nach einem Fotoclub-Intermezzo entschloss er sich für das Fotografie-Studium in Hannover. Er lebt heute in Hannover und ist Mitglied der Agentur Ostkreuz.

Katrin Koenning
Über die Grenzenlosigkeit der Fotografie

Fotografie ist für die Künstlerin Katrin Koenning eine Art In-der-Welt-Sein. Sie erläutert in ihrem Vortrag wie sie die Fotografie nutzt, um ein binding, d.h. eine Anbindung an einen Ort oder ein belonging, eine Zugehörigkeit, herzustellen. Ihre Arbeiten thematisieren oft Orte und unsere körperliche sowie emotionale Bindung zu diesen. Es sind Themen, die wahrscheinlich aus ihrer eigenen Wurzellosigkeit gewachsen sind, und der sie mit narrativ-fotografischen Dokumentationen begegnet. Ihre Langzeitprojekte zeugen dabei oft von der Wichtigkeit des Wiederkehrens. Diese Wiederkehr zu einem Ort, einer Straße, der eigenen Familie oder zu einem Baum begreift Koenning als Methode des Sich-Annäherns und des Verstehens. Unbegrenztheit ist der rote Faden, der sich durch die Serie „Indefinitely“ zieht.

Katrin Koenning (*1978 in Dortmund) lebt seit vielen Jahren in Melbourne, Australien. Sie studierte Fotografie am Queensland College of Art der Griffith University in Brisbane. Einige Bilder aus der Serie „Indefinitely“ sind im Rahmen der Darmstädter Tage der Fotografie im Designhaus Hessen ausgestellt.

Fabian Knierim
Like it share it tag it flag it

Mit Handykamera, Bildbearbeitungssoftware, mobilem Internet und Social Media sind nicht nur die Produktionsmittel, sondern auch Vertriebswege von Fotografie heute  allgemein verfügbar. Das bloße Machen und Betrachten von Bildern als fotografisches Handeln weicht im Netz mit einer dichten Folge von Handlungsappellen einem regelrechten Aktionismus: Like, share, comment, download, pin it, tag it, flag it sind nur einige der Imperative, die Bilder im Internet begleiten und die darauf drängen, sie auf die eine oder andere Art und Weise zu prozessieren. Der Vortrag fragt nach den Handlungsoptionen der Individuen im Umgang mit Bildern und nach ihrer Rolle in einer Sphäre, in der die Entscheidungen von Algorithmen getroffen werden.

Fabian Knierim (*1976 in Bochum) studierte Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum. Er ist seit 2013 Kurator am Fotomuseum WestLicht in Wien. 2017 gehörte er zum kuratorischen Kollektiv der Biennale für aktuelle Fotografie Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und verantwortete die Ausstellung „Kein Bild ist eine Insel“ im Port25 Mannheim.

Urs Stahel
Vom Krieg der Körper zum Reich der Zeichen. Ein Stakkato fotografischen Handelns von 1950 bis heute

Urs Stahel eilt im Stakkato durch die vergangenen Jahrzehnte. Ausgangspunkt ist das Ende des Zweiten Weltkrieges und die unterschiedlichen Reaktionen darauf in den sich formulierenden künstlerischen Bewegungen: Vom Wiener Aktionismus, über die großen Subjektivierungsbewegungen in der dokumentarisch-erzählerischen Fotografie und die Identitätssuchen in der Fotoperformance bis hin zur Konzeptualisierung der Fotografie in der Kunst der sechziger und siebziger Jahre. Welche Strategien werden dabei angewendet, um einen Gesellschaftswandel  zu provozieren? Welche Perspektiven nehmen die Künstler ein, um sich selbst in der Fotografie und der Welt zu verorten? Woraus resultiert das spezifische fotografische Handeln in den jeweiligen Epochen? Zum Schluss des Vortrags hin beschäftigt sich der Schweizer Kurator noch mit der Fotografie nach dem Ende des Kalten Krieges. Er schließt mit der Digitalisierung und dem elektronischen Vertrieb der Fotografie, was einerseits zu einer Verschiebung der Wahrnehmung von Fotografie und andererseits zu einer Verschiebung der Handlungen mit/wegen/durch die Fotografie führt.

Urs Stahel war Gründer, Direktor und Kurator am Fotomuseum in Winterthur. Seit 2013 ist er Kurator bei MAST – Manufattura di Arti, Seperimentazione e Tecnologia in Bologna und Berater der MAST Sammlung für industrieller Fotografie, sowie Lehrbeauftragter an der Züricher Hochschule der Künste. Urs Stahel ist Herausgeber vieler Künstlermonografien sowie Autor von zahlreichen Publikationen zur Fotografie.