Jahresthema: Perspektiven – Strategien fotografischen Handelns

Die Fotografie hat sich in einem historisch kurzen Zeitraum viele Bereiche in der Berichterstattung, in der Dokumentation, in der Werbung und in der zeitgenössischen Kunst erobert. Dabei hat sie vielfach Grenzen überschritten und Vorgaben gesprengt. Gleichwohl bezieht sie sich im Kern immer noch auf fotografische Prozesse. Standpunkt, Ausschnitt, Moment – das Fotografische in der Fotografie. Gerade komplexe Konzepte brauchen lesbare Formen, um kommunizierbar zu bleiben und nachhaltig wirken zu können. Die Darmstädter Tage der Fotografie wollen den Blick auf diesen Wesenskern der Fotografie lenken.

Das Festival 2018

So kamen erneut für ein Wochenende internationale und nationale Fotografen, Künstler, Kuratoren und Experten der Fotografieszene in die Stadt Darmstadt. Von Freitag bis Sonntag zeigten renommierte Künstler und junge Fotografen ihre aktuellsten Werke und Serien – viele davon wurden zum ersten Mal öffentlich ausgestellt. An 12 verschiedenen Orten in Darmstadt wurde eine Bandbreite fotografischer Themen verhandelt – von Dokumentationen über Orte rechter Gewalt in Deutschland (Philipp Böll, Schauraum im Literaturhaus) oder Mädchen in einem Dorf in Indien (Karolin Klüppel, Kunst Archiv Darmstadt) bis hin zu surrealen Bildern aus Alltagsgegenständen (Jessica Backhaus, Kunsthalle Darmstadt) oder malerisch wirkenden Stillleben (Lia Darjes, Museum Künstlerkolonie). Zu sehen waren klassische Bild-Präsentationen als auch großformatige Wandbilder („Kehler Berge“ von Christiane Engelhardt, Kunstforum der TU Darmstadt) sowie mediale Projektionen („Migration als Avant-Garde“ von Michael Danner, Kunstforum der TU Darmstadt) und raumgreifende Installationen („Last Chance Junction“ von Holger Jenss, Kunsthalle Darmstadt) vertreten. Fast alle beteiligten Künstler waren persönlich anwesend und so wurde das Wochenende wieder als Zeit für Begegnung und regen Austausch unter den Künstler und anwesenden Experten genutzt. Bei öffentlichen Führungen und Gesprächen gab es für die Besucher die Möglichkeit, mehr über die Arbeiten zu erfahren und persönlich mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Bei sonnigem Frühlingswetter kamen rund 3.000 Besucher in die 12 Ausstellungen, die für alle kostenlos zugänglich waren. Der kostenlose Shuttle Service von Skoda Autos ermöglichte eine angenehme und komfortable Fahrt zu den Ausstellungsorten.

Cortis & Sonderegger Designhaus
Ausstellungsansicht Designhaus
Cortis & Sonderegger: „Icons“
Installation Akihiko Miyoshi Designhaus
Ausstellungsansicht Designhaus
Akihiko Miyoshi: „Abstract Photographs“
Installation Barbara Probst Designhaus
Ausstellungsansicht Designhaus
Barbara Probst: „Exposures“
Nico Krebs & Taiyo Onorato „Constructions“
Geert Goiris und Katrin Koenning Designhaus
Ausstellungsansicht Designhaus
Geert Goiris: „Resonance“
Katrin Koenning: „Indefinitely“

Fokus in der Ausstellung im Designhaus Hessen

Das Jahresthema wurde in einer Ausstellung im Designhaus Hessen in den Fokus genommen. Hierfür lud das Kuratorenteam neun international renommierte Künstler ein. Ein Großteil der Arbeiten waren noch nie zuvor in Deutschland zu sehen. Einige Werke wurden extra für die Ausstellung produziert. Diese Gruppenausstellung bildete das zentrale Statement zum Festivalthema. Die Zusammen- und Gegenüberstellung der Bilder in den einzelnen Räumen erzeugte einen Spannungsbogen, der von konzeptionell-künstlerischen Ansätzen bis hin zu dokumentarischen Serien reichte.

So begann der Rundgang mit einer Hinterfragung des fotografischen Prozesses (Akihiko Miyoshi, Barbara Probst) und der Offenlegung von bildimmanenten Strukturen (Cortis & Sonderegger, Grey Crawford, Nico Krebs & Taiyo Onorato). Den Übergang in poetische Bildwelten bildeten Geert Goiris und Katrin Koenning. Die Ausstellung setzte sich Arbeiten fort, die menschliche Schicksale zum Mittelpunkt haben. Ob nun spielerisch bei Daniel W. Coburn, intensiv emotional bei Nancy Borowick, humorvoll bei Frank Schinski oder distanziert dokumentarisch bei Jiang Jian – alle Arbeiten haben einen stark humanistischen Ansatz und arbeiten mit klassischen Mitteln der Fotografie. Den Abschluss bildete eine Gegenüberstellung zweier Perspektiven auf die Türkei: der deutsche Fotograf Norman Behrendt blickt offensichtlich kritisch auf die vielen Neubaumoscheen, der türkische Fotograf Alp Sime findet hingegen metaphorische Bilder für die aktuelle Situation. Im Foyer wurde der Besucher mit zwei großen Arbeiten von Mandy Barker entlassen, die die Plastikverschmutzung der Weltmeere auf ästhetische Weise anmahnt. Diese Ausstellung wurde zur Jubiläumsausgabe erstmalig zwei Wochen lang bis zum 6. Mai 2018 gezeigt.

Ausstellungsansicht Schlosmuseum Sonja Stadelmaier
Ausstellungsansicht Schlosmuseum Sonja Stadelmaier
Ausstellungsansicht Kunsthalle Karsten Kronas
Ausstellungsansicht Kunsthalle Karsten Kronas
Ausstellungsansicht Kunsthalle Jessica Backhaus und Jana Hartmann
Ausstellungsansicht Kunsthalle mit Arbeiten von Jessica Backhaus und Jana Hartmann
Ausstellungsansicht Centralstation
Ausstellungsansicht Centralstation mit Arbeiten von Simon Schnelle und Anna Tiessen
Ausstellungsansicht Literaturhaus Nils Stelte
Ausstellungsansicht Literaturhaus Nils Stelte
Ausstellungsansicht Kunstforum der TU Darmstadt Ulrike Hannemann
Ausstellungsansicht Kunstforum der TU Darmstadt Ulrike Hannemann
Ausstellungsansicht Atelierhaus Daniela Friebel
Ausstellungsansicht Atelierhaus Daniela Friebel
Ausstellungsansicht Osthang mit Arbeiten von Dennis Haustein und Robert Schittko
Ausstellungsansicht Osthang mit Arbeiten von Dennis Haustein und Robert Schittko

Programm in der Sparte Wettbewerb

Der Wettbewerb ist das zentrale Ausstellungsprogramm der Darmstädter Tage der Fotografie. Nach der öffentlichen Ausschreibung zum Jahresthema reichten rund 380 Fotografen und Fotografinnen ihr Portfolio ein. Der öffentliche Wettbewerb wurde im Sommer 2017 ausgeschrieben, die Jurysitzung fand im Dezember 2017 statt. Hier wurden 37 Positionen zur Teilnahme an den Darmstädter Tagen der Fotografie ausgewählt:

Jessica Backhaus, Hanna Becker*, Tobias Becker, Svetlana Biryukova, Philipp Böll, Michael Danner, Lia Darjes, Louis De Belle, Felix Dobbert, Gabriele Engelhardt, Sibylle Feucht, Daniela Friebel, Katharina Gruzei, Nele Gülck, Ulrike Hannemann, Jana Hartmann, Dennis Haustein, Holger Jenss, Jiwon Kim, Nora Klein, Katia Klose-Soltau, Karolin Klüppel, Silke Koch, Karsten Kronas, Brigitte Lustenberger*, Sophie Meuresch, Vincenzo Pagliuca, Michael Schmid*, Mirène Schmitz, Simon Schnelle, Sonja Stadelmaier, Nils Stelte, Daniel Stier, Katrin Streicher, Anna Tiessen, Hannes Wiedemann, Cemre Yesil & Maria Sturm und Robert Schittko.

* für den Merck-Preis nominiert

Das komplette Festivalprogramm stellten die vier Initiatoren und Vorsitzenden der Darmstädter Tage der Fotografie, Alexandra Lechner, Albrecht Haag, Gregor Schuster und Rüdiger Dunker sowie der Kuratorin Ute Noll (on-photography.com →) und Prof. Dr. Kris Scholz von der h_da (Hochschule Darmstadt) zusammen.

Dokumentation 2018

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